Einleitung

ueberarbeitetDiese Website ist den Menschen und den Gemeinden der von den Massakern der Besatzungstruppen heimgesuchten Orte gewidmet, die durch die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands eine unsägliche Last der Erinnerung aufgebürdet bekommen haben und die darüber hinaus, zu den jeweiligen Gedenktagen eine kulturelle Arbeit leisten, wie sie in Europa wohl einzigartig ist.

Distomo kommt hier eine besondere Rolle zu, da es durch das „Urteil von Livadia“ diese Verbrechen wieder mehr, beziehungsweise erstmalig in das Bewusstsein auch einer breiten deutschen und internationalen Öffentlichkeit gebracht hat.

Distomo hat aber auch, bedingt durch seine geografische Lage, geistes – geschichtlich eine besondere Bedeutung: Seine Nähe zu Delphi, von wo aus in der Antike jenes „Erkenne dich selbst“ ausgegangen ist, wie auch die unmittelbare Nachbarschaft zu dem Kloster Osiu Louka. Jenes delphische „Erkenne Dich selbst“ geht dort über in das christliche „Erkenne Dich in dem Leid des anderen“, welches in einem der byzantinischen Mosaike enthalten ist und wird in Distomo zu einem „Erkenne Dich in der Gegenwart“.
So erinnert die Gedenkstätte auf dem Distomo vorgelagerten Hügel an das im vergangenen Jahrhundert ausgegrabene Delphi. Die aufgerichtete Säule des delphischen Heiligtums verbindet sich über die wenigen Gebirgszüge hinweg mit der aufragenden Stele an der Gedenkstätte von Distomo.

For the massacre of Distomo. from Kostas Petrakos Films on Vimeo.

Sie ragt heraus aus dem, was die amerikanische Philosophin Agnes Heller „Flachland der absoluten geschichtlichen Gegenwart“ nennt: „Wir können in diese absolute Gegenwart mit dem leeren Bewusstsein des Vergessens eintreten. Wir können uns aber auch in einer Art der Erinnerung üben, die schon Hegel „Andenken“ nannte. Andenken ist Andacht – Andacht des Denkens. Wenn es um Trauer geht, ist die Andacht des Denkens ein Requiem“, schreibt sie in dem vor einigen Jahren in Hamburg erschienenen Aufsatz „Requiem für ein Jahrhundert.“
Distomo ist kein Einzelfall. Ähnliche Massaker wurden von der deutschen Besatzungsmacht zwischen 1941 und 1944 in vielen anderen Städten und Dörfern Griechenlands verübt: So in Chortiatis, Kalavryta, in Kommeno, in Kerdylia, in Klissoura, in Ligiades, in Mesovouno, in Moussiotitsa, in Vianno und viele andere noch.

Hunderte von Ortschaften wurden dem Erdboden gleichgemacht. Einen Überblick verschafft das von dem „Nationalen Rat zur Forderung deutscher Kriegsschulden“ herausgegebene „Schwarzbuch der Besatzung“. Es ist für das Internet bearbeit worden. Sie finden dort auf deutsch und griechisch wichtige Beiträge der 1998 in Athen stattgefunden Tagung des „Nationalen Rates zur Forderung deutscher Kriegsschulden.“ Es soll über die Hintergründe der Klagen auf Entschädigung der Überlebenden wie den Angehörigen der Opfer der deutschen Besatzungsmacht in Griechenland aufklären.

Ebenso soll das Schwarzbuch über die Hintergründe der ausstehenden Reparationszahlungen an Griechenland informieren und sie über den bisherigen Rahmen hinaus öffentlich machen, um damit die Möglichkeit eines Gegengewichtes zur halbherzigen Informationspolitik aller bisherigen Bundesregierungen zu schaffen. Vor allem soll es Verständnis und Unterstützung für die Forderungen Griechenlands an die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des nationalsozialistischen Deutschlands wecken.

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