Eleni Athanassiou, Der Tag, an dem es Nacht wurde

Der Tag, an dem es Nacht wurde
Distomo, 10. Juni 1944
(ΕΛΕΝΗ ΑΘΑΝΑΣΙΟΥ, Η ΜΕΡΑ ΠΟΥ ΝΥΧΤΩΣΕ ΝΩΡΙΣ – Δίστομο 10 Ιουνίου 1944)

Schon im vergangenen Jahr hat Eleni Athanassiou, die als 9 jähriges Kind das Massaker von Distomo überlebte, ein Buch vorgelegt, in dem sie aus ihrer heutigen Sicht die Erinner- ungen an das Massaker sowie ihre lebenslangs Ausein- andersetzung und Trauer beschreibt.
Übersetzung des Klappentextes des Buches:
Distomo – Stadt der Opfer
Distomo – Schrei des Schreckens
Distomo – menschliches Opfer in der unendlichen Zeit
In den Seiten diese Buches, habe ich versucht dem Leser die ganze Unmenschlichkeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg vor Augen zu führen. Ich habe versucht, die Schreie der Agonie, des Schreckens und des Terrors zu erzählen. Die Schreie derer, die mit ansehen mussten, wie ihre Kinder vor ihren Augen abgeschlachtet und ihnen ihre Gedärme um den Hals gewickelt wurden. Wie Säuglinge in den Armen ihrer Mutter erschossen wurden, und ihr Hirn ihr ins Gesicht spritzte. Die Stunden des Terrors und des Schmerzes, die die kleinen Kinder erleben mussten, die die ganze Nacht neben ihren toten Eltern verweilt haben, in einem verlassenen Dorf voller Leichen.

Alles, was ich sah und erlebte und was mein Leben gezeichnet hat.
Jedes Jahr an diesem Tag dreht mich die Zeit zurück zum 10. Juni 1944 und ich erlebe erneut, was ich damals erlebte.

Und obwohl ich die Hoffnung hegte , dass ich mit dem Vergehen der Zeit, die Geschehnisse vergessen würde, werden die Erinnerungen lebendiger.

Jetzt verstehe ich die Ereignisse besser. Verstehe das Leid meiner Mutter und meiner Großmutter Vassiliki, die ihr Enkelchen die ganze Nacht umher trug, bis es in ihren Armen seine Seele aushauchte.
Jetzt, wo auch ich Mutter und Großmutter geworden bin, kenne ich den Schmerz um das Kind und das Enkelkind. Dies alles sind Ereignisse, die einen plötzlich und zur falschen Zeit reifen lassen und deren schwere Last du bis ans Ende deines Lebens mit dir trägst.

Der Verantwortliche des Massakers war Leutnant Heinz Zabel. Nach der Kapitulation der Deutschen, wurde er in Frankreich gefangen genommen und nach Griechenland ausgeliefert.

Die zuständigen griechischen Stellen schickten ihn nach Deutschland, damit er auch für andere Kriegsverbrechen, verurteilt würde. Er wurde freigesprochen, mit der Begründung, dass er Befehle befolgt hätte, und weil keine Zeugen der Anklage erschienen waren.
Leider konnten 218 Distomiten nicht zum Prozess erscheinen…

Übersetzung: Natalia Sakkatou