Die Geister der Vergangenheit in Distomo

Streit um Entschädigungszahlungen an die Opfer des Nazi-Massakers im griechischen Dorf Fast 60 Jahre nach dem SS-Massaker im griechischen Dorf Distomo hat ein Überlebender eine Entschädigungsklage gegen Deutschland eingereicht. Er löste damit einen komplizierten juristischen Streit aus. Im Dokumentarfilm «Ein Lied für Argyris» erzählt der Regisseur Stefan Haupt vom Umgang der Hinterbliebenen von Distomo mit dem Verbrechen. Wir kommen aus einem dunklen Abgrund; wir enden in einen dunklen Abgrund; den hellen Raum zwischen den beiden heissen wir Leben. Aus «Askese» von Nikos Kazantzakis Synopsis 10. Juni 1944. Distomo. Ein kleines Bauerndorf, ein Steinwurf vom Meer entfernt, an der Strasse von Athen nach Delphi. Hier überlebt der kleine Argyris, noch keine vier Jahre alt, am 10. Juni 1944 ein brutales Massaker der deutschen Besatzungsmacht: Eine so genannte «Sühnemassnahme» einer SS-Division als Reaktion auf einen Partisanenangriff in der Gegend. Innert weniger als zwei Stunden werden 218 Dorfbewohner umgebracht – Frauen, Männer, Greise, Kleinkinder und Säuglinge. Argyris verliert seine Eltern und 30 weitere Familienangehörige. Mehrere Jahre verbringt der Knabe in Waisenhäusern rund um Athen, unter Tausenden von Kriegskindern. Da taucht eines Tages eine Delegation des Roten Kreuzes auf und sucht eine Handvoll Kinder aus für eine weite Reise in ein fernes Land. Argyris will unbedingt mitgehen. Und so kommt er in die Schweiz, ins Kinderdorf Pestalozzi nach Trogen. Jahre später doktoriert er an der ETH Zürich in Mathematik und Astrophysik. Bald schon unterrichtet er an Zürcher Gymnasien, beginnt griechische Dichter ins Deutsche zu übersetzen, und arbeitet später mehrere Jahre, auch mit dem Schweizerischen Katastrophenhilfekorps, als Entwicklungshelfer in Somalia, Nepal und Indonesien. Seit er wieder nach Europa zurückgekehrt ist, reist er häufiger zwischen der Schweiz und Griechenland hin und her – und die Aufenthalte in der alten Heimat werden immer länger. Argyris Sfountouris, heute 66 Jahre alt, ein Mann von gewinnendem Charme und melancholischer Heiterkeit, hat sich Zeit seines Lebens mit dem Wahnsinn auseinandergesetzt, der ihm als Kind widerfahren ist.

In einer «Tagung für den Frieden» beispielsweise hat er über Wege sinniert, wie aus diesem Teufelskreis der Gewalt ausgebrochen werden könnte. Er hat versucht, nicht etwa innerlich damit «fertig» zu werden, mit seinem Kindheitserlebnis «abzuschliessen», sondern viel eher damit leben zu lernen und nach aussen etwas zu bewirken. Ein Film über den Umgang mit persönlicher Trauer, – und über den Umgang mit historischer Schuld. Ein Film über die schier unlösbaren Schwierigkeiten einer wirklichen Aussöhnung, über die Suche nach Frieden – eine Reise mit offenem Ausgang Pressezitate «Stefan Haupts einfühlsamer Dokumentarfilm über Schuld, Aussöhnung und den Kampf gegen das Vergessen ist nicht nur ein eindrücklicher, sonder auch wichtiger Film!» Mehr auf dem Internet unter www.arttv.ch «Worte verfehlen zu beschreiben, was der kleine Argyris mit den Kulleraugen empfunden haben mag, als er zuerst seinen Vater und später die Mutter tot fand. Auch EIN LIED FÜR ARGYRIS kann das Unbegreifliche nicht begreiflich machen. Doch die sanfte, menschliche Stimme, in der dieses filmische Lied erklingt, erlaubt es nicht, wegzuhören. Das ist kein Film wie viele andere. Nicht etwa weil er so grossartig, meisterlich gedreht wäre, sondern weil er ganz zurücktritt hinter einem aussergewöhnlichen Menschen und seinem unerträglichen Schicksal.» Stefan Volk, Filmbulletin 8.06 Schweizer Fernsehen, Kulturplatz vom 1.11.2006 Beitrag und ein zusätzliches Interview mit Argyris Sfountouris auf dem Internet unter: www.sf.tv/sf1/kulturplatz Radio DRS 2, Reflexe vom 1.11.2006 Das Gespräch mit Argyris Sfountouris und mit dem Filmautor Stefan Haupt führte Pierre Lachat: www.drs.ch «Stefan Haupt zeichnet in Zusammenarbeit mit dem Protagonisten dessen verschlungenen Lebensweg nach, der ihn unter anderem ins Kinderdorf Pestalozzi nach Trogen führte, und entwirft das bewegende Bild eines Mannes, den das Grauen aus seiner Kindheit geprägt, aber nicht gebrochen, sondern zum Engagement für mehr Menschlichkeit geführt hat.» Der Bund, Interview von Geri Krebs mit Stefan Haupt unter: http://www.espace.ch/artikel_277253.html Gibt es ein menschenwürdiges Leben nach der Erfahrung eines Massakers? Interview mit Regisseur Stefan Haupt im St. Galler Tagblatt unter: www.tagblatt.ch Quelle: Fontanafilm

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