Karakolithos – Distomo 2014

Sonntag, 1. Juni 2014 Κιριακη, 1. Ιουνιο 2014
Δρόμος θυσίας
Lauf für die Opfer von Distomo
Καρακόλιθος – Διστομο
Karakolithos – Distomo

START
Zum 30. Mal fand dieser 1983 ins Leben gerufene Langstreckenlauf zu Ehren der 218 Opfer des Massakers von Distomo statt. Bezeichnerweise starte er am Platz des Volkswiderstandes von Karakolithos an der Nationalstraße von Livadia nach Arachova. Eine Grabstele erinnert an die Erschießung von 110 Gefangenen aus dem Gefängnis von Livadia am 24. April 1944. Unter ihnen waren auch 4 Distomiten und 24 andere Geißeln.

Direkt an der Passstraße steht auch das Denkmal zu Ehren der im Helikon und Parnass gefallenden Widerstandskämpfer der ELAS und erinnert an die. Partisanenkämpfe des 34. Regiments der Griechischen Volksbefreiungsarmee (ELAS) im Helikon und Parnassgebiet, welche für die Deutschen so verlustreich waren, dass man von einem „Kleinstalingrad“ spricht.

Das Denkmal beeindruckt zunächst durch seine Größe, dann offenbart es, wie sehr es die geduckte schleichende Bewegung der dargestellten Partisanen durch die Macchie der Berge wiedergibt, mit der sie damals aus der felsigen Landschaft der Berge heraus zum Überraschungsangriff auf die Deutschen Besatzer übergingen. Sie quellen förmlich aus dem Betonsockel des Denkmals hervor.

Der Blick durch die überdimensionalen Durchbrüche menschlicher Silhouetten verbinden das Blau des Himmels, die Landschaft und das Denkmal miteinander. Sinnbilder für die gefallenen Kämpfer gegen die deutsche Besatzungsmacht. Das Denkmal macht sie fast körperlich gegenwärtig.

Die Organisation des Laufes liegt beim Vereins für Sport und Erholung Medeón (Αθλητικός Όμιλος Μεδεών), gegründet 1965. Auf den T-Shirts einiger Läufer aus Distomo und Umgebung steht: „Διστομο εδο πεθαινει ο Φασισμος“. Übersetzt ungefähr: DISTOMO Hier wird der Faschismus besiegt! Neben dem Laufen scheint dies die Parole zu sein, die die 189 Männer und Frauen aus ganz Griechenland, die zum Start angetreten sind verbindet. Bevor es dann los geht erheben sie ihren Arm. Schließlich ist es der Bürgermeister von Distomo-Arachova-Antikyra Ioannis Patsantaras, der den Startschuß gibt.

11200m Wegstrecke liegen vor den 191 gemeldeten LäuferInnen. Unterwegs warerten schon Helfer, die den Läufern Wasser anbieten. Wie mir später der einzige deutsche Teilnehmer Derk von Moock wird, gehört der Lauf zu den schwiergsten in Griechenland. „Vor allem im Ort selbst, wenn man die letzte Steigung zum Platz des Volkswiderstand nimmt und die Leute am Straßenrand schon applaudieren.“ Derk von Moock läuft im Verein Συλογος Αθλουμενον Φιλον Αλιους νεαι Σμιρνης und ist zum fünften Mal dabei.

ZIEL
Am Ziel warten die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die die Sportler in Empfang nehmen und die Teilnahmeurkunden vergeben. Einige der Helfer waren auch schon Mitte der 90er Jahre als der Lauf noch relativ unbekannt war, dabei. 

In den vergangen 15 Jahren aber ist dieser Langstreckenlauf zu Ehren der 218 Opfer des Massakers von Distomo zu einem nationalen- und intentionalen Event geworden, das in der Läuferszene starke Beachtung findet.

SIEGEREHRUNG
Einen der stolzesten Sieger auf einem Podest ist mit Sicherheit der diesjährige Sieger Touma Bayoumi. Er lief die Zeit in 44:05 Minuten.

Ausgezeichnet werden Stergios Sioutis (56:54) und Pavlos Diakoumakos (56:54) . Ein Tandem, das in der internationalen Szene etliche Rennen bestritten hat. Stergios Siotis ist blind, geführt wird er von dem Co-Läufer Pavlos Diakoumakos. Sergios hält sich an einer Schlaufe, die am Handgelenk von Pavlos befestigt ist. Ausgezeichnet wird auch der älteste Teilnehmer des Laufes. Iraklis Basileiadis (1.29:26), er ist 82 Jahre alt.

KRANZNIDERLEGUNG AN DER GEDENKSTÄTTE VON DISTOMO (Epilog)
Nach der Siegerehrung fahren die Läufer zur Gedenkstätte hinauf, um am Mausoleum im Gedenken an die Opfer des Massakers in Distomo Kränze niederzulegen. Von Pavlos Diakoumakos werde ich gebeten mitzufahren. Im Bus erkläre ich Kostas Tsagarakis meine Arbeit in Distomo.

Kostas Tsagarakis hat in seinem Leben 38. Marathonläufe bestritten. 2012 lief er den 30. Klassischen Marathon, ein Lauf, dem der dem Andenken von Grigoris Lambrakis, dem 1963 ermordeten Politiker gewidmet ist, mit der legendären Lambrakisfahne.

An der Gedenkstätte herrschte eine gelöste, feierliche Stimmung. Kostas Tsagarakis erwähnt in seiner kurzen Ansprache auch die Teilnahme von Derk von Moock an dem Lauf sowie meine Arbeit in Distomo. Es ist eine Welle von Dankbarkeit, die uns entgegenschlägt, einige Griechen reichen uns die Hand. In diesen Augenblicken empfinde ich meine Arbeit in Distomo immer als ein Geschenk.

Auch die anderen Vereine nahmen an der Zeremonie teil. Städtenamen aus ganz Griechenland Drama, Ioannina, Marathon, Athen, Piräus, Korfu konnte ich auf den Trikots lesen. Der Langstreckenlauf insbesondere der Marathonlauf ist mehr als ein Wettkampf. Er ist Teil des griechischen Nationalgefühls, als solcher hat er sich über die ganze Welt verbreitet. In allen Ländern, in allen Großstädten der Welt finden Marathonläufe statt.

Diese internationale Gemeinschaft, die hervoragend über die sozialen Medien miteinander vernetzt ist, trägt dazu bei, dass die Erinnerung an diesen Lauf vor nun mehr als 2500 Jahren nicht vergessen wird. Ebenso, wie auch der Klassische Marathonlauf mit dazu beiträgt, die Erinnerung an den Antifaschisten, demokratischen Politiker, Pazifisten und Vietnamgegner Grigoris Lambrakis, wachzuhalten. Genauso wird es auch mit dem Lauf zur Erinnerung an die 218 Opfer des Massakers von Distomo vom 10. Juni 1944 sein.


DAS FRIEDENSZEICHEN
Das wohl bedeutendste Friedenszeichen wurde 1958 vom britischen Künstler Gerald Holtom im Auftrag der britischen Kampagne zur nuklearen Abrüstung (englisch: Campaign for Nuclear Disarmament, kurz CND) für den weltweit ersten Ostermarsch von London zum Kernwaffen­forschungszentrum in Aldermaston entworfen. Laut Holtom stellt das Symbol eine Kombination zweier Zeichen aus dem Winkeralphabet dar nämlich von N für nuclear (deutsch: „nuklear“) und D für disarmament (deutsch: „Abrüstung“). (Quelle Wikipedia)

Zu Lambrakis und seiner Fahne: Lambrakis nahm an internationalen Friedenstreffen und Demonstrationen teil, trotz häufiger Drohungen gegen sein Leben. Für den 21. April 1963 organisierte die pazifistische Bewegung die erste Pazifisten-Rallye von Marathon nach Athen. Die Polizei intervenierte, verbot den Demonstrationszug und verhaftete viele Demonstranten (unter ihnen Mikis Theodorakis). Lambrakis, geschützt durch seine parlamentarische Immunität, marschierte allein und hielt am Ende die Fahne mit dem Friedenssymbol, die er zuvor in Aldermaston in England getragen hatte bei einer Demonstration gegen die Atomwaffen-Stationierung. (Quelle Wikipedia)


Z (von griechisch Ζεί Zi ‚er lebt‘, Alternativtitel Z – Anatomie eines politischen Mordes) ist ein von Constantin Costa-Gavras gedrehter französisch-algerischer Spielfilm aus dem Jahr 1969 nach der gleichnamigen Romanvorlage von Vassilis Vassilikos. Er gilt als ein genrebildender Klassiker des politisch engagierten Kinos (vgl. Politthriller). Der Streifen vor dem Hintergrund der griechischen Militärdiktatur wurde erstmals am 26. Februar 1969 in Frankreich aufgeführt. (Quelle: Wikipedia)


Links zu griechischen Langlaufvereinen 

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